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Bergeller Granitberge

Bergell & Sentiero Roma  [ 24.08. – 02.09.2012 ]

Auf dieser Höhenwanderung umrundeten wir den mächtigen Gebirgszug aus Granitbergen, der sich im Süden des Bergell vom Piz Badile bis zum Monte Disgrazia erstreckt. Unsere Tour führte von Maloja aus an der Südseite des Bergelltals entlang, folgte dann hoch über dem Val die Mello dem Sentiero Roma und brachte uns schließlich durch's Valmalenco und über den Murettopass wieder nach Maloja zurück.

Der Nachtzug der DB (den gab's damals noch) hatte uns bis Basel gebracht, quer durch die Schweiz über Zürich, Landquart, St. Moritz erreichen wir von dort mit den erfreulich pünktlichen Bahnen und Bussen schließlich Maloja. Am Nachmittag können wir so noch zur Forno-Hütte aufsteigen.

Am nächsten Morgen queren wir zunächst den etwa 250 Höhenmeter unterhalb der Hütte liegenden Forno-Gletscher. Das Blankeis ist durch den nächtlichen Regen sehr glitschig und wir haben bei dieser Tour weder Grödel noch Steigeisen dabei. So sind wir froh über jedes kleinste Steinchen, das unseren Schuhsohlen ein wenig Halt bietet. Auf der anderen Seite klettern wir zunächst über viel Geröll, das vom Gletscher dort abgelagert wurde, oberhalb dieser Seitenmoräne dann auf gutem Bergpfad hoch zum Casnil-Pass auf fast 3000. Tief unter uns sehen wir von dort schon unser heutiges Ziel, die Albigna-Hütte, und den gleichnamigen Stausee.

Außer uns ist noch eine ca. 25-köpfige Truppe auf der Hütte, die den gleichen Weg vorhat. Daher frühstücken wir eine halbe Stunde eher und entgehen so eventuellen Staus unterwegs. Zuerst abwärts zum See und über die Staumauer, dann steigen wir auf guten Wegen hoch zum Cacciabella-Pass. Auf der anderen Seite erwartet uns ein felsiger Abstieg, klettersteigartig ausgebaut mit zum Teil recht steilen Leitern, aber alles mit Ketten gut versichert. Auf gutem Weg wandern wir weiter zur Sciora-Hütte und von da ins Tal nach Laret, da der Weg über das Viäl gesperrt ist. Im Vorjahr waren dort etwa zwei Millionen Kubikmeter Fels aus der Cengalo-Nordwand gestürzt (einige Jahre später - 2017 - ereignete sich dann ein noch größerer Bergsturz, bei dem acht Wanderer verschüttet wurden). Unten hatte ein nächtliches Unwetter die Brücke am Hüttenweg zur Sasc Furä weggerissen, über ein Brett kommen wir dennoch gut über den Fluss und steigen zur Sasc-Furä-Hütte hoch. Die meisten Gäste da gehen auf den Badile, außer uns wollen noch fünf über den Trubinasca.

Auf zugewachsenem Weg wandern wir erst mal ein wenig bergab, dann gleichmäßig hoch zum Trubinasca-Pass. Dort müssen wir ein wenig klettern, aber alle Problemstellen sind gut mit Ketten versichert (T5+). Wir gehen weiter durch's malerische Val Codera und erreichen bald die Brasca-Hütte. Spät am Abend kommen auch die anderen fünf dort an, sie hatten versucht, über den Porcellizzo-Pass direkt die Gianetti-Hütte zu erreichen, aber den Weg nicht gefunden.

Heute fordert uns ein langer Aufstieg durch Wald zur Alpe Averta, dann über Almwiesen, schließlich durch Schutt und Steine aber noch auf erkennbarem Weg hoch zum Passo del Barbacan. Vom Pass aus geht es fast eben weiter zum Rifugio Gianetti südlich unterhalb des Pizzo Badile. Hier ist einiges los, noch spät abends kommen die Leute vom Badile.

Unser Weiterweg folgt nun dem Sentiero Roma, einem Höhenweg, der an der Südseite der Bergeller Berge entlangführt. Unterhalb von Badile und Cengalo kommen wir über den Passo del Camerozzo, wieder mit einer kurzen gut mit Ketten versicherten Kletterei. Dann am Bivacco Molteni-Valsecchi vorbei über den Passo Qualido und den Passo dell' Averta zum Rifugio Allievi .

Für heute ist schlechtes Wetter angesagt. Pomeriggio – ist noch weit, und der Hüttenwirt meint, es gehe gut. Wir frühstücken zeitig und gehen kurz vor sieben los. Wir sind die einzigen, die die heutige Tour bis zur Ponti gehen, alle anderen ziehen es vor, ins Tal abzusteigen. Zunächst sanft zum Passo Val Torrone, erst beim Abstieg wird klar, dass das ein Pass war. Aufstieg dann zum Bivacco Manzi und weiter zum Passo Cameraccio auf 2950, hier ist der Aufstiegsweg deutlich ausgeprägter als der Weiterweg. Relativ eben durchqueren wir eine Gesteinswüste zum Bivacco Kima, das auf einer alten Moräne thront. Kurz danach, halb zwölf, fängt es kräftig zu regnen an (wie war das mit Pomeriggio?) und hört auch nicht mehr auf, bis wir, kurz vor eins, dann an der Ponti-Hütte sind. Die Bochetta Roma auf 2900 ist trotz Nässe weit weniger problematisch als manche Beschreibungen vermitteln (möchten).

Gleichbleibend regnerisches Wetter, wir zögern, gehen aber doch los. Hoch zum Passo di Corna Rossa, wo das verfallende Rifugio Desio steht, im Schneetreiben weiter. Wunderschön farbiges Gestein, schließlich kommen wir zum Talboden des Valle Airale und zum Rifugio Bosio, in dem wir die einzigen Gäste sind.

Oberhalb des Valmalenco gehen wir den Höhenweg entlang. Nicht über den Passo Ventina, der scheint bei der derzeitigen Wettersituation nicht empfehlenswert. Zwischendrin haben wir dennoch ein wenig mit Felsrutschen zu kämpfen, oberhalb der Alpe Pradaccio hat es dem Weg deutlich zugesetzt. In Primolo essen wir zu Mittag, dann geht es auf angenehmen Waldwegen bis nach Chiareggio. Dort ist noch erstaunlich viel los, wir bekommen erst im dritten Hotel, in dem wir nachfragen, ein Zimmer.

Das Wetter bessert sich, und zum Passo del Muretto führt ein breiter Weg. Trotz Schnee im oberen Bereich kommen wir gut hin. Oben am Pass gab's etwa 25 cm Neuschnee, und auf Schweizer Seite muss man nach dem Weg schon etwas mehr suchen. Kaffee und Kuchen gibt’s bei der Rast am Lej de Cavloc, nach Maloja ist es dann nicht mehr weit.

Landkarte mit den Tagesetappen