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Via Alpina: Ruhpolding – Lenggries  [ 13.09. – 20.09.2020 ]

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Via Alpina

Ein »Hüttentrek«, diesmal jedoch ohne Hüttenübernachtungen: Wegen der Corona-Lage konzipierten wir diese Wanderung von Ruhpolding nach Lenggries über die Höhen der Chiemgauer Alpen und des Mangfallgebirges ausschließlich mit Talübernachtungen. Größtenteils folgten wir dem Verlauf des Violetten Wegs der Via Alpina, allerdings so modifiziert, dass unsere Tagesetappen immer in Talorten begannen und endeten.

[ Landkarte mit den Tagesetappen ]

Ruhpolding, den Startpunkt unserer Tour, haben wir bequem mit der Bahn erreicht, von München aus fahren Regionalzüge im Stundentakt dorthin. Am nächsten Morgen wandern wir auf einsamen Waldwegen auf dem Kamm der Stohnschneid zum Strohnkopf und von dort weiter aufwärts zum Hochfelln-Gipfel. Dort ist es allerdings vorbei mit der Bergeinsamkeit, denn von der anderen Seite schaufelt eine Bergbahn – die zweitlängste Seilbahn Deutschlands – die Touris hoch. Daher verlassen wir den Gipfel rasch wieder und wandern weiter – über die Hinteralm und an der Flanke des Hochgern entlang – nach Marquartstein im Tal der Tiroler Achen.

Von dort es es wieder bergauf, zur Hochplatte und über Almgelände zum Fuß der Kampenwand. Da werden die Wege schmaler und steiler, schließlich führen ein paar kurze seilversicherte Felspassagen am Ostgrat zum Ostgipfel. Das riesige »Chiemgaukreuz« am Gipfel, mit 12 Metern das höchste Gipfelkreuz der bayrischen Alpen, erweist sich als zu groß für ein sinnvolles Gipfelbild . . .   Durch die »Kaisersäle« und dann über Schrofengelände kommen wir zu Steinling-Alm. Auch dort wieder viel Betrieb, da mit der Bergbahn gut erreichbar. Auf dem breiten Wanderweg, der von Spaziergängerinnen* und Mountain-Bikern* bevölkert ist, gehen wir unterhalb der Kampenwand entlang bis zur Seilbahnstation. Dort verlassen wir die Via Alpina und steigen auf steilem steinigen Pfad ins Tal, wo wir auf Forststraßen am Wimbach und Mühlbach entlang Schleching im Achental erreichen.

Auf dem nächsten Gipfel, dem Geigelstein, ist es deutlich ruhiger, denn da erleichtert keine Seilbahn den Aufstieg. Von Schleching aus geht es – zunächst durch Wald, dann über Alm- und Latschengelände – stetig bergauf; der Gipfel liegt mehr als 1200 Höhenmeter über dem Talort. Vom Gipfel aus haben wir eine herrliche Weitsicht, im Nordosten Kampenwand und Hochplatte, unter uns das Achental mit Schleching und Marquartstein, im Süden Kaisergebirge und Inntal, im Westen der Wendelstein und in weiter Ferne im Südosten, durch den Dunst gerade noch erkennbar, die Tauern mit Wiesbachhorn und Großglockner. Ein langer »Talhatscher«, meist auf Forststraßen, bringt uns nach Sachrang im Priental, wie Schleching eines der deutschen »Bergsteigerdörfer«.

Das Gipfelziel des nächsten Tages ist der Spitzstein, der direkt auf der Grenze zwischen Bayern und Tirol liegt. Von Sachrang aus wandern wir zunächst auf schönen einsamen Waldwegen bergauf. Kurz vor dem Spitzsteinhaus verlassen wir allerdings den normalen Aufstiegsweg und umgehen den Berg unterhalb seiner eindrucksvollen Ostwand, um ihn dann über den Nordwandsteig zu ersteigen. Über eine leichte, seilversicherte Kletterei gelangt man hier deutlich interessanter zum Gipfel als auf dem direkten Weg vom Spitzsteinhaus. Am Gipfel ist viel Betrieb, man kann mit dem Auto bis zur Gogl-Alm fahren und hat von da dann nur noch einen kurzen seniorenfreundlichen Anstieg von etwa 450 Höhenmetern. Auf diesem Weg gehen wir talwärts und erreichen über Erlerberg das Inntal in Erl. Noch ein paar Kilometer Landstraße am Inn entlang, den wir auf einer alten Holzbrücke überqueren, dann sind wir in Oberaudorf, unserem Tagesziel.

Über Nacht hat es kräftig geregnet, und zwischen den Bergen hängen noch viele Wolkenfetzen. Im feuchten Nebel wandern wir bergauf, treffen unterwegs immer wieder auf Feuersalamander, die bei der hohen Luftfeuchtigkeit risikolos ihre Erdhöhlen verlassen können. Da alle Wege noch sehr nass sind, verzichten wir auf die heute geplanten Gipfel und machen stattdessen einen kleinen Umweg durch die Rosengasse, bevor wir über die Skigebiete des Oberen und Unteren Sudelfelds Bayrischzell erreichen.

Von Bayrischzell wandern wir einige flache Kilometer südwärts durch das Ursprungtal. Dann nehmen wir den Wirtschaftsweg, der in gleichmäßiger Steigung zum Sillberghaus führt. Weiter geht es, zunächst durch Wald, dann über offenes Almgelände, zuletzt etwas steiler durch einen Latschenhang zum ersten heutigen Gipfel, der Auerspitz. Ein kurzer, etwas glitschiger Abstieg und ein kurzer Anstieg bringen uns zum Rotwandhaus. Von dort führt ein breiter Wanderweg vollends zum Gipfel der Rotwand – mit 1884 m haben wir dort den höchsten Punkt unserer Tour erreicht. Im Gegensatz zur Auerspitz ist dieser Gipfel gut besucht, verständlich, denn von der Bergstation der Taubensteinbahn ist es ein angenehmer Spaziergang auf bequemem Weg. Auch wir gehen zur Bahn, dann aber weiter talwärts über die Schönfeldalm zum Spitzingsattel und zum DAV-Haus Spitzingsee, wo wir über Nacht bleiben.

Vom Spitzingsee geht es durch Almengelände an der Unteren Firstalm vorbei aufwärts zum Suttenstein, ab da durchs Suttengebiet wieder bergab zur Mautstraße, die von Rottach-Egern zum Suttensee und zum Wechselpass führt. Ganz offensichtlich eine beliebte Strecke für Elektro-Radler*, aber auch für Muskel-Radlerinnen* auf Mountain-Bikes und Rennrädern. Der Weiterweg führt wieder bergauf, bis zur Sieblialm auf gut ausgebauten Alm- und Forstwegen, von da bis zur Riedereckalm auf einem steinigen und oft recht glitschigen Pfad. Drei Kletterer, die mit uns hochsteigen, diskutieren darüber, dass sie dafür wohl doch die verkehrten Schuhe gewählt hatten . . .   Schottrig, aber weitgehend trocken ist die restliche Strecke zur Blankensteinscharte. Auf dem schrofigen Steig zum Risserkogel-Gipfel gibt's dann noch ein paar kurze drahtseilgesicherte Passagen und einige kleinere Kraxelstellen, bevor wir die weite Aussicht vom zweithöchsten Gipfel der Tegernseer Berge genießen können. Im Norden direkt unter uns die schroffen Felsen des Blankensteins, etwas weiter weg der Wallberg und der Tegernsee. Der Abstiegsweg verläuft zunächst auch recht aussichtsreich auf dem Risserkogel-Westgrat und auf dem Verbindungsgrat zum Grubereck, von dort wandern wir dann auf steileren Waldwegen vollends ins Weißachtal nach Kreuth.

Von Kreuth-Scharling, wo wir in der Jugendherberge übernachtet hatten, steigen wir an der Hirschberg-Skipiste steil aufwärts. Oben wird es dann angenehmer, auch der Anstieg zum letzten Gipfelkreuz unserer Tour, dem Seekarkreuz, ist nicht allzu anstrengend. Ein letzter weiter Ausblick, dann wandern wir an der Lenggrieser Hütte vorbei nach Lenggries ins Isartal. Dort haben wir noch ausgiebig Zeit für Kaffee und Kuchen, bevor uns die Bahn nach Hause bringt.

*: Generisches Maskulinum bzw. Generisches Femininum