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Thüringer Städte – Vogtland – Erzgebirge  [ 20.06. – 28.06.2020 ]

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Erfurt: Domplatz mit Dom und Severikirche

Quer durch das Thüringer Becken und durch den westlichen Teil Sachsens führte uns diese achttägige Schleife auf dem Rad. Wir starteten in Kassel, radelten von dort durch das Osthessische Bergland zur Werra und an dieser entlang nach Eisenach. Über Gotha, Erfurt, Weimar und Jena erreichten wir Gera, folgten dann der Elster flussauf bis zur ihrer Quelle in Tschechien. Zum Fichtelberg und nach Oberwiesenthal ging's auf dem Erzgebirgskamm weiter, schließlich in den Flusstälern von Zschopau und Mulde über Annaberg und Freiberg nach Leipzig.

[ Landkarte zur Tour ]

Vom Bahnhof Wilhelmshöhe fahren wir auf verkehrsarmen Straßen durch die Kasseler Innenstadt zur Fulda, schauen uns da kurz die Orangerie in den Fuldaauen an. Über Kaufungen erreichen wir die Wälder des osthessichen Berglands und kommen über einen ersten Höhenzug ins Sontratal. Auf dem zweiten Höhenzug, den wir überqueren, verlief ehedem die innerdeutsche Grenze, ein zugehöriger ehemaliger Wachtturm ist schon von weitem zu sehen. Von dort geht es zügig bergab zur Werra, die wir bei Creuzburg erreichen. Bis Hörschel bleiben wir an der Werra, folgen dann der Hörsel bis Eisenach. Da gibt es viel zu besichtigen, einiges schauen wir uns an – Marktplatz mit Stadtschloss und Rathaus, Georgenkirche, Lutherhaus, Bachhaus, Luther und Bach als Denkmäler, Nikolaikirche, Nikolaitor, ...

Die nächsten beiden Tage folgen wir dem Radfernweg »Thüringer Städtekette«, der (O-Ton Werbung) "sieben der schönsten Thüringer Städte verbindet" und "durch kontrastreiche Wald-, Wiesen und Flusslandschaften führt." Wir erreichen zunächst Gotha mit dem Schloss Friedenstein und der historischen Altstadt, radeln von da weiter zur Landeshauptstadt Erfurt, der größten Stadt Thüringens. Eindrucksvoll dort insbesondere der Domplatz mit dem Dom und der Severikirche sowie die Krämerbrücke und die vielen stattlichen Altstadthäuser. Die nächste »Perle« in der Kette ist dann Weimar, eine Stadt, zu der man nichts weiter sagen muss. Fürsten, Dichter und Musiker haben hier vielfältige Spuren hinterlassen. Wir verlassen Weimar wieder, fahren zunächst an der Ilm entlang und wechseln dann zur Saale. Hier erreichen wir Jena, die Stadt, die sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts zu dem wichtigsten Zentrum der Optik und Feinwerktechnik in Deutschland entwickelte. Carl Zeiss, Ernst Abbe und Otto Schott waren das Team, das damals die Grundlagen schuf. Zum Ende der DDR-Zeit umfasste das Zeiss-Kombinat dann 25 Betriebe mit insgesamt etwa 70.000 Beschäftigten. An die alte Größe erinnert noch der Jentower, höchstes Bürogebäude der neuen Bundesländer und weithin sichtbares Wahrzeichen Jenas. Ursprünglich als Forschungszentrum für das Zeiss-Kombinat geplant, jedoch nie als solches genutzt, dient er heute überwiegend als Bürogebäude. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt die riesige Plattenbau-Trabantenstadt Neulobeda, die wir südlich von Jena passieren.

Von der Saale radeln wir durch das etwas hügelige »Thüringer Holzland« zur Elster und dann weiter auf dem Elsterradweg flussauf. In Bad Köstritz kommen wir an der Heimatbrauerei des gleichnamigen Schwarzbiers vorbei, verlassen dann in Gera die »Städtekette« und fahren stattdessen weiter durch das Vogtland die Elster aufwärts. Kurz hinter Greiz machen wir einen kleinen Abstecher, um uns die Göltzschtalbrücke, die weltgrößte Ziegelsteinbrücke, anzusehen. Die Brücke wurde damals aus Ziegeln gebaut, weil es in der Umgebung größere Lehmvorkommen gab und Ziegel somit schnell und kostengünstig beschafft werden konnten. Seit der Fertigstellung 1851 führt die Bahnlinie Leipzig-Hof über diese Brücke. In Plauen erreichen wir wieder den Elsterradweg, dem wir dann bis zur Elsterquelle knapp hinter der tschechischen Grenze folgen.

Auf dem Erzgebirgskamm bleiben wir fast durchweg auf der tschechischen Seite der Grenze, die Landstraßen dort sind gut ausgebaut und wenig befahren. Denn aufgrund der wetterausgesetzten Höhenlage ist die Gegend dünn besiedelt, es gibt keine Industrie und nur wenig Landwirtschaft, stattdessen prägen ausgedehnte Wälder und reizvolle Hochmoore und Feuchtwiesen das Landschaftsbild links und rechts der Straße. An einigen wenigen Stellen wurde früher Bergbau betrieben, so beispielsweise am Plattenberg in Horní Blatná, wo im Mittelalter Zinn abgebaut wurde. Dort schauen wir uns Wolfs- und Eispinge an, eindrucksvolle Felsgräben, die beide durch den Bergbau verursacht wurden – die Wolfspinge durch den Einbruch eines darunter liegenden Stollens, die Eispinge durch den Abbau einer Zinnader dort.

Bevor wir den Kamm des Erzgebirges verlassen, »gönnen« wir uns noch die Auffahrt zum Fichtelberg. Auf den Gipfel des höchsten sächsischen Berges führt eine gut ausgebaute Straße mit angenehmer Steigung. Außerdem eine leistungsfähige Schwebebahn, daher ist oben ganz schön Betrieb. Wir ergattern dennoch ein Plätzchen und können Kaffee und Kuchen am höchsten Punkt unserer Tour auf gut 1200 m Höhe genießen. Rasant geht es danach zunächst nach Oberwiesenthal, dann weiter nach Annaberg. Dort wurde im Mittelalter Silber gefunden und abgebaut, durch den Zuzug von Bergleuten entwickelte sich Annaberg zur zweitgrößten Stadt in Sachsen. Vom damaligen Reichtum der Stadt zeugt die riesige St.-Annen-Kirche, die am Anfang des 16. Jahrhunderts erbaut wurde und auch heute noch alle anderen Gebäude der Stadt weit überragt. Zu ihrer Besichtigung bekommen wir – da außer uns keine weiteren Interessenten da sind – eine ausführliche quasi-private Kleingruppenführung, erfahren dabei viele Einzelheiten über die Kirche und die Stadt.

Von Annaberg aus folgen wir zunächst den vielen Windungen des Zschopautals flussabwärts, vorbei an etlichen malerischen Burgen – Wolkenstein, Scharfenstein, Wildeck, Augustusburg, queren dann zum Muldetal nach Freiberg. Ebenfalls seit dem Mittelalter »Bergstadt« mit den entsprechenden Rechten war Freiberg zur Blütezeit des Silberbergbaus die größte Stadt des damaligen Sachsens. Zahlreiche Bauwerke der sehenswerten Freiberger Altstadt stammen aus dieser Zeit. Etwa acht Jahrhunderte lang wurde in der Freiberger Umgebung Silber, später auch Blei und Zink abgebaut, bis Mitte des 20. Jahrhunderts der Bergbau dort selbst unter den Randbedingungen des damaligen Gesellschaftssystems nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben war und daher aufgegeben wurde.

Der Weiterweg führt uns auf dem Mulderadweg entlang der Freiberger Mulde durch die letzten nördlichen Ausläufer des Erzgebirges. Über Nossen und Döbeln erreichen wir die Muldevereinigung bei Colditz und radeln an der Vereinigten Mulde entlang noch bis Grimma. Die verlassen wir dort, fahren relativ direkt Richtung Leipzig. Meist auf Landesstraßen, die in Sachsen »Staatsstraßen« heißen. Im Süden der Stadt lassen wir uns noch durch den monumentalen Klotz des Völkerschlachtdenkmals beeindrucken, bevor wir schließlich das Leipziger Zentrum erreichen. Dort endet unsere Radelei. Wir haben noch einen halben Tag Zeit für einen ausgiebigen Bummel durch die Leipziger Innenstadt, dann bringt uns die Bundesbahn wieder nach Hause.